Tipps für einen Tag in Kuala Lumpur

Viel lieber wäre ich nach Singapur gejettet. Da wollte ich schon immer einmal hin. Für einen Asienanfänger wie mich, wäre das genau das Richtige gewesen. Aber nein, meine erste Geschäftsreise östlich von Wien führt mich ausgerechnet nach Kuala Lumpur. Wo genau das liegt, muß ich erstmal recherchieren.

Soso, Malaysia… Dazu fällt mir nur die 70er Jahre Serie „Sandokan – der Tiger von Malaysia“ ein. Noch nicht einmal die Küche das Landes kann ich zuordnen. Irgendwas mit Erdnusssoße? Daß Kuala Lumpur übersetzt schlammige Flussmündung bedeutet und im Januar Regenzeit herrscht, hellt meine Stimmung auch nicht gerade auf. Aber was soll´s. Ist ein Kundenbesuch, die Firma zahlt und ich werde es kurz halten. Ankommen, Duschen, Sightseeing, Termin, Essen, Schlafen und zurück in den Flieger.

Im Nachhinein ein schwerer Fehler. Hätte länger bleiben sollen und nicht nur die zwei Nächte, die es letzten Endes wurden. Ist zwar keine Metropole, für die man sich beim ersten Blick erwärmt. Dafür zeigt einem diese quirlige Stadt die Gesichter Asiens auf kleinstem Raum. Straßenzüge mit der Patina vergangener Jahrhunderte finden sich neben neuzeitlicher Glas- und Stahl-Architektur, Garküchen neben Einkaufstempeln. Kulinarisch wird wider Erwarten einiges geboten, kulturell ebenso und etwas Luxus gibt es auch, wenn man will.

Ein Tag Kuala Lumpur RäucherstäbchenMandarin Oriental Kuala Lumpur

Will ich natürlich. Also habe ich mich im Mandarin Oriental Kuala Lumpur eingemietet. Es wäre zwar auch eine Stufe günstiger gegangen, aber was soll´s. Wenn ich schon in das schwüle Mückennest muss, möchte ich wenigstens hotelmäßig auf der sicheren Seite sein. Hinzu kommt: das Mandarin Oriental in Kuala Lumpur ist verhältnismäßig günstig. Geradezu nachgeworfen im Vergleich zu den Mandarin Orientals in London oder Miami. Dort kann und will ich mir das nicht leisten. In der Hauptstadt Malaysias schlägt das Mandarin Oriental ähnlich ins Kontor wie ein Mittelklassehotel in Zürich. Also gönne ich mir nicht nur die einfache Kemenate, sondern gleich ein „Club Zimmer“. Das bedeutet, Zimmer in den obersten Stockwerken, eigener Empfang im 24. Stock. Frühstück inbegriffen und spätnachmittags ein kleines Buffet in der Clubetage zu Klavierklängen, während man ein kühles Tiger Beer (wahlweise Whiskey, Rotwein, frischen Guavensaft) schlürft und die Silhouette der Twintowers betrachtet.

Auch dies ein Vorteil des Mandarin. Es liegt gleich am KLCC Park mit den berühmten Zwillingtürmen oder Petronas Towers und neben dem modernsten Shoppingcenter der Stadt, dem Suria KLCC.

Das Club Zimmer lässt selbstredend auch keine Wünsche offen, der Blick auf die Zwillingtürme ist großartig (auch ohne Aperitif), das Bad mit Badewanne und Dusche glänzt marmorn und das Sofa lädt zum Lümmeln ein. Kann mir das Hinfläzen gerade noch verkneifen und begebe mich stattdessen in den 3. Stock. Dort nach draußen und an eine der Poolliegen, die schon auf mich gewartet haben. Hab schon schlimmer gewohnt…

Ach, das Beste hätte ich fast vergessen. In der Clubkategorie sind 5 (in Worten: fünf) Kleidungsstücke pro Tag Reinigung inkludiert. Abends findet sich meine Wäsche dann in einem kleinen Kästchen mit Blumenblüte verziert auf meinem Bettchen wieder.

Kuala Lumpur in 24 Stunden - Skyline bei NachtSightseeing in Kuala Lumpur

Wenn man in 24 Stunden Kuala Lumpur sehen will, sollte man gut zu Fuß sein. Prioritäten setzen wäre auch nicht schlecht, gibt nämlich so einiges. Die Sehenswürdigkeit am Stadtrand, eine monströse Hindugottheit vor Höhle, den Vogelpark und ähnlich schweißtreibende Angelegenheiten lasse ich links liegen und fahre klimatisiert mit der Hochbahn LRT Richtung Chinatown und Little India.

Wer jetzt meint, das sei nicht das richtige Malaysia, mag Recht haben. Ist mir aber egal, habe auf diesem Trip sowieso nicht allzuviel Zeit zum Nachdenken. In Chinatown kommt man dazu auch nicht, dafür sind die Eindrücke zu vielfältig und berauschend. Die bekannte Petaling Street (Haupteinkaufsstrasse Chinatowns, hier und an den Twintowers werden alle Kreuzfahrttouristen abgeworfen) ist durchaus flanierenswert, interessanter hingegen sind die winkeligen dunklen Gassen links und rechts. Hier eine Garküche, dort ein paar tausendjährige Fische, gleich gegenüber im Halbdunkel die Kräuterhöker und Geflügelschlachter. Von nie-gesehen bis widerlich wird alles geboten, einschließlich verräuchertem Tao-Tempel in der Tun HS Lee Straße Ecke J. Tun Tan Cheng Lock, wem das weiterhilft. Liegt jedenfalls unweit der Haupteinkaufsmeile der Chinesen und auf direktem Weg nach Little India.

Letzteres ist dann nicht mehr ganz so spektakulär, die Gerüche wechseln ebenso wie die feilgebotenen Speisen. Da ich nun bereits Einblick in die ein oder andere chinesische Küche hatte und die Art und Weise, wie abgewaschen wurde, entscheide ich mich für ein Thali. Das ist ein großer runder Blechteller, in der Mitte ein Napf mit Reis, umgeben von Schälchen indischer Köstlichkeiten. Dazu ein Mango Lassi und der Nachmittag ist gerettet. Wer auch etwas indische Kultur mitnehmen möchte, muß schon in Chinatown in den Sri Marriamman Tempel. Dafür steht in Little India eine stattliche Moschee. Kuala Lumpur eben.

Wer in den Tag noch etwas mehr Kultur, Sehenswürdigkeiten und Kulinarisches packen möchte, der beeilt sich jetzt. 24 Stunden Kuala Lumpur sind eben kein Zuckerschlecken.

Ein Tag in Kuala Lumpur - TempelTipps Kuala Lumpur Chin TempelKultur und Kulinarisches in Kuala Lumpur

Frisch geduscht und mit Augenringen quäle ich mich wieder aus dem angenehm kühlen Mandarin Oriental in die Schwüle nach dem Mittagsregen. Weit laufen muß ich nicht. Im Suria KLCC befinden sich nicht nur Shopping Mall und die Petronas Towers, sondern auch die Dewan Filharmonik, also die malaysische Philharmonie. Sehr passend gibt es an diesem Abend Schlag 18:30 ein Kammerkonzert von einer Stunde. Geboten wird u.a. die 3. Violinsonate von Brahms. Ein musikalischer Leckerbissen in einem modernen und opulenten Konzertsaal vom Feinsten, sehr sehenswert, sehr erschwinglich.

Schon etwas teurer ist der Besuch der Petronas Towers, d e r Tourimagnet in Kuala Lumpur. Den ganzen Tag wird das architektonische Meisterwerk von allen Seiten abgelichtet, auch ich kann mich kaum zurückhalten und knipse wie ein Weltmeister. Von oben allerdings und bei guter Sicht ist das Panorama wohl nicht minder beeindruckend. Ich habe Pech. Es regnet während unserer Führung, bekomme aber eine Vorstellung von der Größe der Stadt. Es ist schon dunkel und dementsprechend glitzert und funkelt es von 1000 Hochhäusern und Lichtreklamen in die Nacht. Nicht ganz schlecht.

Kuala Lumpur Essen mit Blick auf SkylineNach dem Augenschmaus kommt der Gaumenschmaus. Ich habe mir hierfür das Restaurant Babe ausgesucht, moderne asiatische Küche in edlem Ambiente. Allein wegen dieses Schuppens mit seinem grandiosen Blick auf die Skyline von KL würde ein zweiter Besuch lohnen. Ich empfehle einen Tisch ganz vorne, die Sake Begleitung zum Menü sowie das getrüffelte Onsen-Ei zum Wagyu Beef. Eine weitere Beschreibung des Essens (8 Gänge 310.- RM/ ca. 65.- EUR) würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher nur noch ein paar

Tipps für die ersten 24 Stunden in Kuala Lumpur:

  • Vom Flughafen mit dem KLIA Ekpres in die Stadt. Ist schneller und günstiger als das Taxi. An der Haltestelle KL Sentral ggf. auf Taxi oder Hochbahn umsteigen;
  • In der Stadt die LRT Bahn nutzen, schnell und sicher. Am besten gleich mehrere Jetons für die einzelnen Fahrten kaufen;
  • Taxi ist erschwinglich, es gibt rote und blaue. Eines davon ist teurer, fällt bei den Preisen aber nicht wirklich ins Gewicht. Uber operiert auch in KL;
  • Die Eintrittskarten für die Petronas Towers vorher online lösen, um Schlange stehen zu vermeiden bzw. überhaupt reinzukommen. Die Zugangszeit ist dann vorgegeben, plus/minus 1h;
  • Wenn was Nettes läuft würde ich mir die Philharmonie nicht entgehen lassen, auch hier gibt es die Tickets online;
  • Im Restaurant Babe reservieren und am besten einen Tisch ganz vorne an der Fensterfront. Dann klappt es auch mit dem Heiratsantrag. Spätestens nach dem dritten Sake.

Ich bedanke mich herzlich bei Eddy für diesen Einblick in seine 24 Stunden Kuala Lumpur.

Über den Autor:
Eddy Harteneck ist ein notorischer Geschäftsreisender, Genusssüchtling, Quartalssäufer und Schlagerliebhaber. Und das sind nur die besten Eigenschaften. Seine Brötchen verdient er mit dem Verkauf von Allgemeinplätzen. Nennt sich dann Unternehmensberatung. Dazwischen wird gegessen und getrunken. Seinen eigenen Blog hat er an den Nagel gehängt, weil es ja doch nur vom Reisen abhält. Wer trotzdem wissen möchte, wo gerade Kundengelder verprasst werden, ist eingeladen, ihm auf Instagram zu folgen: https://www.instagram.com/bonvivant_at_work/


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8 Kommentare

  1. Ein schöner Gastbeitrag. Ich erinnere mich auch gerne an Kuala Lumpur zurück, als ich 2014 dort war. Auffällig fand ich im Vergleich zu den anderen Ländern Ostasiens, die ich im gleichen Zuge bereist habe, dass die kulturelle Vielfalt in KL höher ist.

    Überall trifft man Menschen unterschiedlichster Herkunft und natürlich ist dann die Auswahl an leckerem Essen ebenfalls sehr abwechslungsreich. Perfekt für mich 😀

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch

    • Fratuschi Antworten

      Lieber Henrik,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Je mehr ich über KL lese, desto interessanter finde ich es auch für mich. Deine Aussage bekräftigt das nochmals. Danke dafür!
      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Ein sehr informativer Artikel über Kuala Lumpur. Witzig, wir beraten uns gerade, ob wir bei unserer Zwischenlandung für unseren nächsten Sommerurlaub lieber Singapur oder Kuala Lumpur wählen sollen. Der Beitrag von Eddy macht uns die Wahl mittlerweile nicht ganz so leicht.

    Liebe Grüße, Selda.

    • Fratuschi Antworten

      Liebe Selda,

      ich war ja auch in beiden Städten noch nicht und glaube, man kann sie kaum vergleichen.
      Wie wäre es die eine Stadt auf dem Hin- und die andere auf dem Rückflug zu erleben?
      Herzlichst
      Sabine

  3. Haha, die typische schnoddrige Eddy-Schreibe! Wie immer höchst amüsant und erfrischend. Und ein paar Informationen kommen dabei auch rüber.
    Super!

    Liebe Grüße
    Gina

    • Fratuschi Antworten

      Hallo Gina,

      ich mag Eddy Schreibe und seinen Blick auf die Dinge auch.

      Liebe Grüße
      Sabine

  4. Ein sehr informativ und unterhaltsam geschriebener Artikel über die Stadt. Hat Spaß gemacht, zu lesen. Schade, dass er nicht mehr bloggt.

    • Fratuschi Antworten

      Hallo Bruno,

      ich bin auch traurig, dass er seinen Blog aufgegeben hat. Ich habe ihn gerne gelesen.
      Viele Grüße
      Sabine

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