Hasselblad X1D – 50c. Mehr Bild braucht (fast) kein Mensch.

Es war einer dieser endlosen und heißen schwedischen Sommertage, an denen sich unser Zentralgestirn mit einer Sintflut aus golden schimmernden Sonnenstrahlen für die vergangenen, dunklen Wintermonate entschuldigen wollte. Victor Hasselblad stand vor zwei jungen Schwedinnen, deren blonden Haare im Gegenlicht eben dieses Helios glänzten und auf deren Haut er die Hitze des Tages auszumachen glaubte. Die beiden, zweifelsohne Zwillinge, blickten ihn gespannt aus hellblauen Augenpaaren an, deren kristalline Reinheit den klarsten See der Welt, den Blue Lake in Neuseeland, wie einen Nebenarm des Ganges während des Shivaratri wirken ließ. Victor nahm all seinen Mut, seine Verzweiflung und Hoffnung zusammen und formte daraus den alles entscheidenden Satz: „Sagt mal Zuckerschnecken, wollt ihr vielleicht hübsche Fotos von euch beiden haben?

Diese oder eine andere, war im Sommer 1941 die Geburtsstunde der Mittelformat Kameras von Victor Hasselblad, ohne die eine Reise zum Mond niemals unternommen worden wäre, hätte doch keiner Fotos machen können.

Hasselblad X1D

Hasselblad – Medium Format fürs Handgepäck.

Hasselblad ist für das Medium Format das, was Leica für das Kleinbildformat bedeutet, auch wenn Hasselblad nicht das Medium Format erfand. Allerdings sind die schwedischen 6×6 Medium Format Kameras so legendär, dass niemand an Medium Format denken kann, ohne über das Unternehmen von Victor Hasselblad aus Göteborg zu reden.

Das Medium Format besitzt eine größere Bildfläche bzw. einen größeren Bildsensor als das Kleinbildformat. Während Kleinbild- bzw. 35-mm-Filme immer eine Breite von 35 mm (aha!) aufweisen, gibt es Medium Formate Filme bis zu einer Abmessung von 89 x 56mm. Selbstverständlich ist die Größe wichtig, sofern sie damit auch umgehen können, z.B. für die Auflösung eines Bildes. Digitale sog. Vollformat (aka Kleinbild) Sensoren besitzen eine Größe von 36 x 24 mm, Medium Format Sensoren dagegen 53.4 x 40mm. Einfach ausgedrückt passen mehr Pixel auf den Sensor, bzw. die Pixel sind größer, was die Lichtempfindlichkeit erhöht und das Rauschen reduziert. Ein Medium Format Sensor mit 50 Megapixeln hat die besseren physikalischen Ausgangsbedingungen für eine gute Bildqualität, als ein Vollformat (Kleinbild) Sensor bei gleicher Pixelzahl. Oder ein APS-C (22 x 15mm) oder Micro-Four-Thirds (17 x 13mm) Sensor.

Wald Foto mit Hasselblad X1D geschossen

Merken Sie sich einfach: „bigger is better“, falls sie das eh nicht schon wussten.

Eine weitere Besonderheit der Mittelformat Kameras ist der modulare Aufbau der Kameras. Ein Kamerasystem besteht aus dem Objektiv, dem Kameragehäuse und dem Rückteil (Back). Diese Modularität macht die Kameras zwar groß, schwer und wenig admirabel, hat aber den Vorteil, dass im professionellen Workflow der Assistent schon mal ein weiteres Rückteil mit einem neuen Film bestücken kann, während der Fotograf noch knipst. Ist der Film zu Ende, wird innerhalb einer Sekunde das Rückteil ausgetauscht. Alternativ lässt sich mitten im Shooting ein Analog Back durch ein Digital Back oder vice versa ersetzen und der Fotograf kann so ohne Wartezeit zwischen Analog und Digital oder Farb- und Schwarzweißfilm wechseln, ohne auf eine andere Kamera umsteigen oder Konfigurationen (Objektiv, Blende, Belichtungszeit etc.) ändern zu müssen. Und so weiter.

Entwickelt sich die Elektronik bei Mittelformat-Kameras weiter, muss nur das Rückteil ausgetauscht werden und nicht das ganze Kameragehäuse. Ob dies bei Preisen von 20.000 – 40.000 Euro für ein Rückteil eine wesentliche Rolle spielt, habe ich noch nicht entschieden, kann dies jedoch beizeiten nachreichen.

Bayern Frau fotografiert Berg Hasselblad X1D

Hasselblad – Kreativität außerhalb der Komfortzone.

Nach den großen Erfolgen der Hasselblad (analogen 6×6) V-Serie mit ihren legendären, übrigens von Carl Zeiss gebauten, Objektiven verschlief Hasselblad ähnlich wie Leica die Anfänge der digitalen Fotografie. Erst anno 2002 zogen ketzerische Ideen wie Autofokus, Belichtungsautomatik und Digitalrückteile und anderer Firlefanz á la Mode in das Mindset und die Hardware der Victor Hasselblad Nachkommen ein, die ab der H-Serie die Objektive von Fujifilm bauen ließen. Die ersten Digital Backs kaufte Hasselblad mangels Digital Know-How bei der dänischen Firma Phase One, die sich seitdem zum einzigen Wettbewerber entwickelten (insbesondere seit Phase One die Mehrheitsanteile an Mamiya und Leaf übernommen hat). Das klingt jetzt alles sehr interessant, ist es aber nicht.

Hasselblad Foto von Feuer auf SyltHasselblad wirbt gerne mit der Tatsache, dass die NASA Missionen zum Mond eine (modifizierte) Hasselblad 500 EL an Bord hatten und alle Aufnahmen auf dem Mond mit Hasselblad Kameras entstanden.
Da Omega mit der Speedmaster DIE „Moonwatch“ schlechthin anbietet, liegt es auf der Hand, welche Armbanduhr der stilbewusste analoge Mittelformat Fotograf zur Hasselblad 50x tragen könnte. Es gibt allerdings eine lange Liste namhafter Fotografen, die ihr ganzes Leben mit Hasselblad fotografieren, ohne eine Omega Speedmaster am Handgelenk. Darunter Ansel Adams, Anton Corbin, Richard Avedon, Helmut Newton, Irving Penn, Annie Leibovitz usw.. Einzige Ausnahme ist Neil Armstrong. Der sah beim Fotografieren zwar cool aus, war allerdings und entgegen der handelsüblichen Verschwörungstheorien WIRKLICH auf dem Mond. Karl Lagerfeld fotografiert mit einer Hasselblad, ist stilvoll gekleidet, hat jedoch keine Omega Speedmaster und ist auch sonst ein ziemlicher Honk. Es ist also nicht so einfach mit dem „Fotografieren in Style“.
Aber sie haben ja mich. Also weiter lesen, auch wenns schwerfällt.

Hasselblad X1D Leica M Omega SpeedmasterHasselblad ließ aufgrund der wirtschaftlichen Probleme, mittlerweile ist Hasselblad vom chinesischen Drohnen Hersteller DJI aufgekauft worden, nichts unversucht, um weiter im Geschäft zu bleiben. Die digitalen Mittelformat Kameras sind zwar erfolgreich und von guter Qualität, jedoch schrumpft der Markt der teuren, schweren, langsamen und unpraktischen Mittelformat Kameras aufgrund der schnelleren Innovationszyklen der Spiegelreflexkameras immer weiter. Warum, konnten die Schweden sich offenbar nicht erklären. Vielleicht, weil viele Anwendungsfälle, die früher ausschließlich mit Medium Format zu bewältigen waren, mittlerweile einfacher, schneller und damit günstiger von kleineren und leichteren und damit praktischeren Spiegelreflexkameras übernommen wurden. Ist aber nur so eine Idee.

Hasselblad Digital Foto: altes Fahrrad

Hasselblad Camera – Wieder Innovationsführer.

Im Sonnenlicht der Erkenntnis des Jahres 2016 meldete sich Hasselblad überraschend und punktgenau zum 75jährigen Firmenjubiläum an der Innovationsspitze der Mittelformat Fotografie zurück. Die Hasselblad X1D-50c war die erste spiegellose Mittelformat Kamera der Welt und in vielerlei Hinsicht einzigartig. Während Leica mit den M Modellen versucht, möglichst nah an der Ur-Leica von 1954 zu bleiben, bricht Hasselblad mit allen Konventionen der letzten Jahrzehnte und präsentiert eine von Grund auf neu gedachte Kamera. Nach der offiziellen Vorstellung der Kamera verbuchte Hasselblad mehr Bestellungen in einem Monat, als für das ganze Jahr geforcecast war. Das kleine schwedische Unternehmen mit nur ein paar hundert Angestellten ist beinah unter der Last des Erfolges zerbrochen. Entsprechende Wartezeiten für Kamerabodies, Objektive und Zubehör sowie Qualitätsprobleme in der Produktion belasten seitdem das Unternehmen, die Händler und allen voran die Kunden. Während Leica regelmäßig die Preise für ihre Produkte anhebt, verfallen dieselben bei Hasselblad schneller als das Haltbarkeitsdatum eines Tiramisu in der Sommersonne Australiens.

Hasselblad X1D: Kampen Rotes Kliff

Trotzdem hält der Erfolg der Hasselblad X1D-50c ungebrochen an. Der verbaute Sensor (von Sony) ist laut DXO Mark, »the referencee for Image quality«, der „best commercially-available medium-format sensor“. Ever! Und zwar nur in der Hasselblad und nicht in der Fuji GFX50S, welche den gleichen Sensor verwendet. Die vollkommen neu und für diese Kamera gerechneten XCD Objektive gehören ebenfalls zu den Besten und werden von Nittoh in Japan gebaut.

Hasselblad X1D – Alles so schön bunt hier.

Tatsächlich ist die Bildqualität der Hasselblad X1D-50c atemberaubend und besser als alles, was ich bisher von Kameras gesehen habe! Hasselblad Kameras sind von je her für ihre Farben bekannt, diese aber in live auf dem heimischen (regelmäßig farbkalibrierten) Bildschirm zu sehen, mit dem direkten Vergleich zur Realität in der das Bild entstanden ist, nimmt erweckungsgleiche Züge an.

Sonnenuntergang Sylt mit Hasselblad Kamera fotografiert.Ich war einst Teilnehmer eines Fotografie-Workshops von Elena Shumilova. Nach dem Shooting sollten die etwas eindutzend Teilnehmer, eine kleine Auswahl von unbearbeiteten Bildern zwecks Gruppenbesprechung nach vorne reichen. Die Bilder waren anhand ihres Dateinamens und Formates nicht den Fotografen oder Kameras zuzuordnen. Trotzdem erkannte Elena Shumilova unter allen Teilnehmerbildern anhand der besonderen Bildqualität sofort die Fotos, die mit der X1D gemacht wurden.

Hasselblad Foto beim Elena Shumilowa Workshop in Krefeld
Fotoworkshop mit Elena Shumilova in Krefeld

Bildqualität versteht sich hier, also in dieser Artikelserie, von der sie hoffentlich schon die beiden anderen Artikel gelesen haben, selbstverständlich als technische Eigenschaft und nicht als künstlerische Charakterisierung, der ja bekanntermaßen ein hoher Grad an Subjektivität innewohnt, worüber es sich nicht streiten lässt, also uninteressant ist. Schöne Grüße an den Google Algorithmus. Diese Spitze finden sie vielleicht nur dann amüsant, wenn sie den Artikel „Reisefotografie in Style“ und „Leica M“ gelesen haben. Weiter geht’s.

Hasselblad X1D 50c Foto: Altes Boot

Es muss zusammen, was zusammen gehört.

Jede Hasselblad Kamera wird individuell auf den verbauten Sensor kalibriert. Diese Kalibrierungsdaten sind über 1 Gigabyte groß und werden beim Start der Kamera geladen, weswegen das auch so lange dauert. Zusätzlich sind die XCD Objektive so gut auf die Kamera abgestimmt, dass ich selbst mit Leica M-Objektiven, die mittels eines Novoflex-Adapters an der Hasselblad X1D montierbar sind, kein besseres Bild erreichen konnte. Der Hasselblad-eigene RAW Converter „Phocus“ ist ebenfalls auf die Hasselblad-Kameras optimiert und berücksichtigt Bildeigenschaften wie verwendete Blende und Schärfeebene, um alle Korrekturen bestmöglich anzuwenden. Und obgleich Phocus in vielerlei Hinsicht hinter Lightroom oder gar Capture One herhinkt, ist es doch ein professioneller RAW Converter, der mehr aus den Hasselblad Dateien herausholt, als andere. Wie wichtig das ist, wüssten sie, wenn sie den Artikel zur Leica M gelesen hätten, aber ich sag’s ja nur.

Sylt Morsum Kliff Hasselblad FotoEine X1D-50c RAW Datei hat im Übrigen eine Dateigröße von 70-90 MB. Soll diese Qualität beibehalten und ggf. in andere Programme als Phocus exportiert werden, wachsen die Dateien auf mehr als 300 MB (TIF-16 Bit, ProPhoto RGB) an. Zum Glück kosten Festplatten und Speicherkarten weniger als eine Flasche Dom Pérignon. Und wem reicht schon eine Flasche.

Hasselblad X1D – 50c – Technische Daten.

  • 50 Megapixel CMOS (43.8×32.9mm)
  • ISO Bereich 100 – 25.600
  • RAW Bilder haben 16 Bit Auflösung, 14 Blendstufen Dynamikumfang!
  • 1-2 Bilder pro Sekunde
  • WLAN zur Anbindung an iOS Geräten
  • 3“ TFT Touch Display mit 920K Pixeln
  • Blitzsynchronzeit mit XCD Objektiven: 1/2000 sek.!
  • Dual SD Kartenslots
  • Gewicht ca. 725gr.

Hasselblad Camera Photo

Die aus dem Vollen gefräste Kamera liegt unglaublich gut, und somit besser als eine Leica M oder eine Flasche Astra Bier in der Hand. Der Body wiegt magere 50 Gramm mehr als eine M10, verfügt über einen tollen Touchscreen, einen guten, wenn auch nicht überragenden Elektronischen Sucher (EVF) und ein Weather Sealing, welches seinen Namen verdient. Tatsächlich sind die Gummidichtungen so straff, dass ein neues Objektiv erstmal „eingeflutscht“ werden muss, da die Kamera ansonsten keinen elektronischen Kontakt bekommt und folgerichtig vermutet, es gäbe gar kein Objektiv. Ob das jetzt ein Bug oder ein Feature ist, sei anhand der vielen echten Fehler ins Reich des theoretisierends verbannt. Wir kommen noch dazu. Klasse ist auch die Lösung mit dem Batteriefach. Entriegelt man selbiges und drückt die Batterie mit einem beiläufigen Fingerdruck leicht ins Gehäuse, fällt die Batterie aus der Kamera heraus wie leere Patronenhülsen aus einer Smith & Wesson Kaliber 44 Magnum. Wer das zuhause ein paar Mal übt, sieht an der Strandpromenade aus wie Clint Eastwood in Dirty Harry und damit offiziell cool.

Die Ergonomie der Kamera ist auf aktuellem Smartphone Niveau. Die wichtigsten Funktionen werden durch Tasten und Drehregler physisch feilgeboten, alles andere lässt sich über Touchscreen und Wischfunktionen am Bildschirm lösen und wahlweise im Viewfinder anzeigen. Die Menütiefe ist unkompliziert und die mit jedem Firmwareupdate wachsende Funktionszahl weitestgehend selbsterklärend. Kurzum: dieser massive und doch elegant wirkende Handschmeichler ist einfach zu bedienen und bereit für den Außeneinsatz. Sofern sie mindestens drei Akkus dabei haben.

Hasselblad XD1 Touchscreen Pressefoto
Pressefoto Hasselblad

Startschwierigkeiten der Hasselblad X1D.

Als stilbewusstes und technikaffines Mitglied diverser Gear-Acquisition-Syndrome-Selbsthilfegruppen hielt ich als einer der ersten in Deutschland, konkret im November 2016, eine Hasselblad X1D-50c in meinen Händen. Dies dann doch eher kurz, weil es sich um ein Vorserienmodell handelte, welche praktisch unbenutzbar war und niemals den Weg zu mir hätte finden sollen. Einige Wochen später erhielt ich dann das offizielle Serienmodell, welches durchaus weniger fehlerhaft, aber immer noch nicht für den Endkunden geeignet war.

Das Internet ist voller fesselnder Berichte über die Probleme mit frühen X1Ds.  Ich selbst musste mich mit unzähligen Abstürzen, fehlenden oder fehlerhaften Funktionen, schnell entladenden Batterien, nicht mehr funktionierenden Scrollrädern, nicht mehr funktionierendem Auslöser, nicht erkannten Objektiven und vieles mehr herumärgern. Insgesamt wurde die Kamera einmal ausgetauscht und einmal in Deutschland und einmal in Schweden repariert, jeweils bei unterschiedlichen Problemen. Mit jedem Firmware-Update, und davon gab es viele, wurde die Kamera zuverlässiger, bekam mehr Funktionen und entwickelte sich zu einem Produkt, welches Stand Juni 2018 zwar nicht „bullet proved“ wie andere Kameras ist, aber in den allermeisten Fällen das tut, was getan werden muss: Fotos machen. Hightech reifte von jeher beim Kunden. Glücklich die, die ihre Hasselblad X1D-50c erst heute kaufen und dafür sogar noch weniger Geld bezahlen als ich vor 1 1/2 Jahren.

Die X1D wildert bemerkenswert erfolgreich im Lager der klassischen Mittelformat-Kameras und mehr noch bei den High-End Spiegelreflexkameras. Die große Schwester (Spiegelreflex) Hasselblad H6D-50c z.B. verfügt über den gleichen Sensor sowie die identische Bildqualität ist jedoch deutlich größer und schwerer und kostete zur Markteinführung der X1D das dreifache der spiegellosen Variante. Die Verfügbarkeit der X1D und der noch günstigeren Fuji GFX 50S führten in Folge zu einem Preisrutsch der klassischen Mittelformat-Kameras, welche nunmehr eine Auflösung von 100 Megapixeln und mehr aufweisen, um sich von den kleineren Schwestern abzusetzen. So und mit besserem Kundenservice, Upgrademöglichkeiten, Schulungen und Leihgeräten werden noch Kamerapreise jenseits der 30.000 Euro Grenze gerechtfertigt.

Shumilova Workshop Krefeld Hasselblad Bild
Fotoworkshop mit Elena Shumilova in Krefeld

Fotografierender Reisender oder reisender Fotograf?

Die Hasselblad ist eine hochmoderne Kamera mit einer herausragenden Bildqualität, sie ist für jedes Wetter geeignet und verhältnismäßig leicht. Die XCD Objektive sind hervorragend und nicht so schwer, wie sie aussehen. Insgesamt ist die Kamera ein beachtenswertes Designobjekt, welches in die Geschichte der Fotografie als die erste spiegellose Mittelformat Kamera eingehen wird. Wenn Sie gerne auf Reisen fotografieren ohne mit 15 kg Ausrüstung und einem Stativ bestraft zu werden, wenn ihnen hohe Auflösung und realistische Farben wichtiger sind als Schnelligkeit und Dezenz, dann kenne ich bis dato keine Kamera, die besser geeignet wäre als die Hasselblad X1D-50c. Wer sie mit einer solchen Kamera, gleichgültig ob es sich dabei um das silberne Serienmodell oder die schwarze Special Edition 4116 zum 75jährigen Hasselblad Jubiläum handelt, in freier Wildbahn ins Visier nimmt, beaugapfelt die Symbiose aus technischer Expertise und kompromisslosem Anspruchsdenken, letzteres auch an das Design der Kamera. Sonst hätten sie ja eine Fuji GFX50S kaufen können.

Hasselblad-X1D-Black-Pressefoto
Pressefoto Hasselblad

Die Hasselblad X1D-50c und die Leica M10 sind von Philosophie, Design, Ergonomie, Anwendungsschwerpunkten, Bildqualität und Objektivangebot so grundverschieden, dass es möglich, wenn nicht gar sinnvoll ist, beide zu besitzen.

Die Leica M ist eine Kamera für Herz und Seele, die Hasselblad X1D-50c was für den Verstand. Beide haben ihre Schwerpunkte und trotzdem stelle ich mir bei jeder Reise die Frage, welche von beiden denn mit darf. Nach Mallorca wird mich in ein paar Tagen die Hasselblad X1D begleiten, nach Australien ganz sicher die Leica M10 und MP nebst ein paar Farbfilmen. Oder anders herum? Luxusprobleme.

Designmäßig leben Hasselblad und Leica in unterschiedlichen Accessoirewelten, was die Stilfrage ein klitzekleines bisschen schwieriger macht. Aber werfen sie bitte nicht das Korn in die Flinte. Ihnen kann geholfen werden.

Links (Blogs, Forum, etc.) über Hasselblad.

Weitere Beiträge des Gastautors auf Fratuschi:


Über den Author:

Audemar hat seine Modelkarriere viel zu früh beendet, um als Chief Coordinator Writers Stuff die Supervision zu übernehmen. Oder so…
Er ist mit mir verheiratet , möchte aber anonym bleiben und schreibt deshalb unter einem Pseudonym, welches aber nicht verraten wird.

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2 Kommentare

  1. Hallo Audemar!
    Ich glaube heute habe ich eine Menge Neues über Kameras gelernt! Dazu muss ich gestehen, dass mir der Begriff ‚Mittelformat-Kamera‘ zuvor noch nie über den Weg gelaufen ist. Während des Lesens habe ich mir die ganze Zeit überlegt, ob ich gerne so eine abgefahrene Kamera haben wollte. Mal abgesehen von den technischen Problemen, die so ein Highend-Produkt in diesem Preissegment eigentlich nicht haben dürfte, hätte ich viel zu viel Angst, dass mir die Kamera unterwegs abhanden kommen würde. Auch die Bildgröße ist dürfte uns bald an die Grenze bringen, da wir jetzt schon mehrere Tetra-Byte an Plattenplatz auf unserem Server benötigen. Bei mehr als 3000 Fotos pro Urlaub mag ich gar nicht ausrechnen, was die bearbeiteten Dateien am Ende benötigen.
    Aber was am Ende zählt, ist ja das Ergebnis und das kann sich wirklich sehen lassen! Toller Artikel, sehr informativ und aufschlussreich.
    Liebe Grüße

    Alex

  2. Audemar Antworten

    Hallo Alex,
    schön, dass Du Spaß hattest. Der Koch freut sich, wenn es den Gästen schmeckt.
    Die X1D ist mittlerweile recht gut benutzbar und der Preis liegt auf der Straße und mit ein bisschen Verhandlung sicher 30% unter dem Listenpreis. Es gibt sogar schon gebrauchte zu kaufen. Trotzdem natürlich ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. Ein paar Terabyte mehr im NAS schlagen da kaum noch zu Buche…

    Aber „Haben wollen“ ist schon mal die richtige Herangehensweise, denn „brauchen müssen“ ist es ja eigentlich nicht. Die Bildqualität ist unglaublich, leider sieht man davon bei Facebook, Instagram und Co. (und in den Fitzelbildchen bei Frautschi) nicht viel. Auf einem hochwertigen A3 Druck dann schon eher.

    Dem ganzen Thema Bildqualität kann man übrigens schön (und sehr günstig) aus dem Weg gehen, wenn man Analog fotografiert. Das sieht immer Großartig aus, auch wenn es grieselig und mit Staub und Macken ist. Charakter eben. 😉

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